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Présence

Bernd Alois Zimmermann hat in seinen Werken immer wieder die Grenzen zu anderen Künsten überschritten. So verbindet er in seinem Ballet blanc „Présence“ auf fantasievolle Weise Musik, Tanz und Literatur: In fünf „Szenen“ entfaltet sich dieses „weiße Ballett“, bei dem den Instrumenten des Klaviertrios Gestalten aus der Weltliteratur zugeordnet werden: Miguel de Cervantes‘ tragikomische Ritter Don Quichotte, der grotesk-bösartige Gewaltherrscher RoiUbu aus den Dramen Alfred Jarrys und Molly Bloom aus dem Ulysses von James Joyce als Inbegriff sinnlich-erotischer Weiblichkeit verwandeln sich in Figuren einer Tanzperformance, die durch die Verse aus Gedichten von Paul Pörtner und musikalische Zitate aus der musikalischen Tradition noch weitere poetische Dimensionen gewinnt – Gegenwart, „présence“, als traumwandlerisches Schweben zwischen Zeiten, Stilen und literarischen Vorstellungswelten...

Fasziniert von Zimmermanns vieldeutig schillernder Klangsprache, komponierte Michael Denhoff 1995 sein Klaviertrio Nr. 3 op. 74,1. Schon die Besetzung mit Violine, Violoncello und Klavier sowie der Titel „Schwarzes Ballett“ verraten, dass es sich hierbei gewissermaßen um ein düster-magisches Gegenstück Zimmermanns Ballet blanc handelt; und tatsächlich lassen sich noch mancherlei weitere Beziehungen zwischen diesen Kompositionen entdecken. Daher ist es besonders spannend, beide Werke erstmals gemeinsam im Rahmen einer musikalisch-tänzerischen Konzertperformance mit dem Kölner Ensemble Ubu zu erleben.

Anlässlich des Zimmermann-Jahres entstand ein weiteres Werk für die Besetzung Klaviertrio + 3 Tänzer: LA PALANCA von Vladimir Guicheff-Bogacz, das im Rahmen des Zimmermann-Symposiums in Köln am 05.04.18 uraufgeführt wurde.

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