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Metamorphoses Nocturnes

Was meinen wir, wenn wir heute von einem „Konzert“ sprechen? Was gehört dazu? Der Raum, die Musiker, Interpreten, die Instrumente, das Stück, das Publikum? Im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts hat sich das Konzert mehr und mehr gewandelt. Die Konzertperformance „Metamorphoses Nocturnes“ soll dem Konzert zu einer weiteren Verwandlung verhelfen. Der Raum: Konzertraum, Zirkuszelt oder Theater. Das Stück: zeitgenössische Komposition und Arrangements von Komponist Maximiliano Estudies und Regisseurin Anna Neubert für Klavier, chinesischen Mast, Violine, Schlappseil, Stimme und Tanz. Die Interpreten: ein interdisziplinäres Ensemble aus Musikern, Akrobaten und Tänzern. Das Publikum: Sieht Musik und hört Bewegung. Die Konzertmetamorphose stellt uns eine Situation vor, in der die Akteure des Konzertes, die Musiker, ihrem musizierenden Körper größeren Raum geben und Klang sich wiederum in Form und Bewegung eines menschlichen Körpers manifestieren kann. Die Verselbstständigung und Verwandlung der Musikerbewegung im Konzert trifft auf die Musikalisierung von artistischen und tänzerischen Bewegungen. Identitäten des Klang- und Bewegungsausdrucks differenzieren sich aus oder verschmelzen in einem kammermusikalischen Zusammenwirken. Verwandlungen finden statt zwischen den Daseinsformen als Musiker, als Tänzer, als ausdrucksfähiges Lebewesen.

Zur Erarbeitung des Stückes beschäftigen wir uns mit der Frage: wie schaffen wir - im Zusammenwirken des interdisziplinären Ensembles - die Verwandlung von einer musikalischen Idee als Keimzelle in eine Konzertperformance, in der die Bewegung ebenso Teil des Stückes ist wie der Klang? Eine Performance, die noch in der Konzertpraxis der Vergangenheit wurzelt, die aber gleichzeitig genreübergreifend zeitgenössisch interpretiert und improvisiert? Inspiration bietet dabei György Ligetis erstes Streichquartett, das auch schon in seinem Titel „Metamorphoses Nocturnes“ die Verwandlung zum Thema hat: aus einem undefinierten Klangteppich entsteht eine kleine, melancholisch-melodiehafte Tonfolgenzelle aus der heraus sich wiederum eine ganze Klangwelt entwickelt die Formen und Gestalten hervorbringt welche stets im Begriffe sind, sich schon wieder zu verwandeln. In diesem Frühwerk Ligetis ist noch stark der Einfluss Bartoks nachzuempfinden, insbesondere in der Verwendung und Verwandlung volksliedhafter Motive. So wie Ligetis Streichquartett in der Vergangenheit wurzelt, vielleicht als eine Metamorphose von Bartoks Quartetten aufgefasst werden könnte und doch schon Keime seines zukünftigen Schaffens in sich trägt greifen Kompositionen und Arrangements Maximiliano Estudies' und Anna Neuberts teilweise auf Kompositionstechniken und Elemente des Streichquartetts zurück. Darauf aufbauend wird durch den Einsatz elektronischer Komposition und genreübergreifender Interpretation ein zeitgenössisches Werk geschaffen, das auch inspiriert wird durch die zahlreichen Bilder und Konnotationen die der Begriff „Metamorphoses Nocturnes“ impliziert: Die „Metamorphoses Nocturnes“ finden statt in der nächtlichen Welt des Traums, des Halbbewussten, des Unsichtbaren und Unbegreiflichen: Bietet diese Welt ein Refugium für das von Konsumdrang, Informationen und Leistungsdruck bestürmte Individuum? Gibt es hier „unbehelligt“ vom Lichtstrahl des Tagesgeschehens die Chance zur eigenen Verwandlung, zur Entwicklung eigener Werte und zur Gewinnung von (Selbst-)Erkenntnis?

Die Konzertperformance „Metamorphoses Nocturnes“ ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Kölner Verein für Neuen Zirkus Atemzug e.V. und Studierenden der Hochschule für Musik und Tanz Köln und der Folkwang Universität der Künste Essen, unterstützt durch die Hochschule für Musik und Tanz Köln und ON Neue Musik Köln. Atemzug e.V. ist eine Vereinigung junger professioneller Künstler, deren Ziel es ist, die Kunstformen Musik, Tanz, Schauspiel und Film in Verbindung mit Artistik zu setzen. Sie werden in Choreographien eingebettet und über ein Rahmenthema zu einer Gesamtperformance verknüpft. Im Fokus von Atemzug stehen der experimentelle Ansatz und der Wunsch, neue Darstellungsformen unter Einbeziehung artistischer Mittel zu finden. Der interdisziplinäre Ansatz der Produktion wird vertieft und angeregt durch den Austausch mit der Designerin Charlotte Triebus, deren Forschungen zur Notation künstlerischer Prozesse beim genreübergreifenden Arbeiten genutzt werden.

Eine Preview wird bei der Semestereröffnung der Hochschule für Musik und Tanz Köln am 05. Oktober 2015 um 19.30 Uhr im Konzertsaal der Hochschule gezeigt. Eine weitere Vorstellung folgt am 09. Oktober 2015 um 20.00 Uhr in der Alten Feuerwache, Köln.





 

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